18. Mai 2020

Tattoo-Hygiene: eine saubere Sache

Mundschutz, Hände waschen, Desinfektion, während der Corona-Krise ist das Thema Hygiene plötzlich allgegenwärtig. Anlass genug für uns, euch einen kleinen Einblick in das Thema Tattoo Hygiene in Tattoo-Studios zu geben. Denn: Infektionskrankheiten wie Corona sind für uns nichts Neues.

DIN EN 17169 – Europaweite Norm für Tattoo Hygiene

Der D.O.T. (Deutsche organisierte Tätowierer) hat in Zusammenarbeit mit anderen europäischen Tattoo-Organisationen sowie Wissenschaftlern und Ärzten eine europaweite DIN-Norm für die Hygiene im Tattoo-Geschäft erarbeitet und 2019 veröffentlicht. Damit ist sind die Tätowierer die erste Branche überhaupt, die eine Europaweite Hygiene-DIN-Norm vorweisen kann.

Und: Solche Hygienerichtlinien für Tätowierer sind nicht neu. Bereits 2008 hatte der D.O.T. zusammen mit der UETA (United European Tattoo Artists) Hygienerichtlinien für Tattoo-Studios erarbeitet und veröffentlicht, die bundesweit von den Gesundheitsämtern übernommen wurden.

Eine Lücke bleibt

Leider sind diese Richtlinien keine rechtliche Verpflichtung für jedes Studio und jeden Tätowierer. Grund ist unter Anderem, dass das Tätowieren kein anerkannter (Ausbildungs-) Beruf ist. Grundsätzlich kann jeder mit 35 € sein Tattoo-Gewerbe anmelden und loslegen, auch ohne jegliche Ausbildung.

Ich nehme in meinem Studio Into The Light dieses Thema jedoch sehr ernst und tue alles dafür, euch und mich vor möglichen Infektionen und gesundheitlichen Risiken zu schützen.

Einblick in die Richtlinien für Tattoo Hygiene

Bestandteil der oben erwähnten Richtlinien sind unter anderem:

  • Definierte Anforderungen an die Ausstattung eines Studios:
    • Ausschließliche Verwendung von Einweg-Materialien oder Sterilisator und Hochdruck-Autoklav inkl. autom. Prozess-Dokumentation
    • Trennung von Rein- und Unrein-Bereichen
    • getrennte Waschbecken (Kundenbereich, Geräte-Reinigung, Reinbereich)
    • Desinfizierbare Böden/Oberflächen
  • Definierte Anforderungen an jeden Arbeitsplatz
    • Unmittelbare Verfügbarkeit der verschiedenen Desinfektionsmittel (Handdesinfektions-Spender, Flächendesinf., Hautdesinf.)
    • Stichfeste und verschlossene Auffangbehälter für benutzte Nadeln
  • Genaue Beschreibung der Arbeitsabläufe hinsichtlich der Hygiene

Herrichtung eines sterilen Arbeitsplatzes

    • Hygienische Anforderungen an die verwendeten Hilfsmittel
      (Farben, Farbkappen, Wasser, Nadelmodule, Maschinen, Cremes, Spatel, …)
    • Verhaltensrichtlinien während des Tätowiervorgangs
    • Reinigen des Arbeitsplatzes und Entsorgen der Arbeitsmittel nach dem Tätowieren
  • Hygienepläne (Bodenreinigung, Reinigung der Arbeitsplätze, Kundenbereiche, WCs, …)

Selbstverständlich gehörten zu dem Hygienekonzept auch schon immer entsprechende Schulungen inkl. Abschluss-Tests (Sachkundenachweis I für Tätowierer*innen)

Kreutz-Kontaminationen konsequent vermeiden

Dem einen oder anderen wird während des Tätowierens vielleicht schon aufgefallen sein, wie häufig ich die Handschuhe wechsle. Der Hintergrund ist, dass Kreutz-Kontaminationen vermieden werden sollen. Denn fasst man mit benutzten Handschuhen z.B. die Farbflasche an, landen Keime des aktuellen Kunden auf die Lampe. Mache ich dasselbe beim nächsten Kunden, habe ich bereits eine Übertragung. Horror-Szenario!

Wann immer man als Tätowierer also etwas anfasst, das nicht der Kunde selbst oder mit Folie abgeklebte Arbeitsbereiche sind, also z.B. die Höheneinstellung des Stuhls, das Telefon, die Lampe oder ähnliches, heißt es: Handschuhe aus und in den Müll, Telefonieren, neue Handschuhe an.

Selbstverständlich wird der gesamte Arbeitsbereich nach jedem Kunden mit entsprechender Flächendesinfektion behandelt, das Abkleben mit einmal-Folien ist jedoch ganz klar die sicherere Variante und vermeidet zudem die Entstehung von multiresistenten Keimen.

Eure Gesundheit steht im Vordergrund

Wer bereits einmal bei mir war, weiß, dass zu jedem Tattoo-Termin auch eine Menge Papierkram gehört. Der größte Teil dieses Papierkrams sind Gesundheitsfragen, die sog. Anamnese-Aufnahme.

An dieser Stelle möchte ich das Risiko evtl. Gesundheitsschäden oder Nebenwirkungen so gering wie möglich halten. Anhand eurer konkreten Antworten auf diese Gesundheitsfragen:

  • klären ich euch über konkreten Risiken auf,
  • sage euch, wann eine vorherige Konsultierung eures Arztes erforderlich ist,
  • was ihr beachten könnt bzw. solltet vor und während des Tattoo-Termines,
  • weise auf Besonderheiten in der Nachsorge hin.


Fester Bestandteil diese Anamnesefragen war schon immer die Frage nach akuten Infektionskrankheiten bzw. Grippesymptomen. In diesen Fällen tätowiere ich nicht und bitte unsere Kunden, den Tattoo-Termin rechtzeitig abzusagen.

Mehr Infos vom Landesgesundheitsamt

Das Landesgesundheitsamt hat übrigens ebenfalls eine kleine Broschüre zu diesem Thema herausgebracht.

Zudem Vegan, ohne Tierversuche und Umweltbewusst

Und selbstverständlich achte ich bei allen verwendeten Mitteln darauf, dass sie frei von Tierversuchen und vegan sind (siehe meinen Beitrag Vegane Tattoos und noch mehr). Ebenso versuche ich bei den Einwegmaterialien, wo möglich und zulässig, auf recyclebare Alternativen zu setzen, um unnötigen Plastikmüll zu vermeiden.

Aber das nur am Rande.
Eure Tara
Into The Light